5 Dinge, die Sie über die orale Kalziumgabe zur Milchfieberprophylaxe wissen sollten!

Die Ursache für Milchfieber ist ein Kalziummangel im Blut. Die Milchkuh muss ihren Stoffwechsel am Ende der Trockenstehzeit abrupt umstellen von einer Ruhe- in eine Hochleistungsphase. Mit dem Einschießen der Milch ändert sich auch der Bedarf an Kalzium. Pro Liter Biestmilch werden 2,3 g Kalzium benötigt. Dafür muss die Kuh den Mineralstoff aus allen erreichbaren Quellen heranziehen, aus dem Futter und aus körpereigenen Reserven, z. B. aus den Knochen. Kann die Kuh ihren Stoffwechsel nicht schnell genug umstellen, sinkt der Gehalt an Kalzium im Blut ab („Hypocalcämie“, Milchfieber).

Folgen des klinischen Milchfiebers:

  • Eingeschränkte Muskeltätigkeit
  • Unsicheres Gehen und Stehen
  • Festliegen in Brustlage (Landwirte berichten oft von kaltem Rücken, kalten Ohren)
  • Bewusstseinstrübung
  • Koma
  • Tod

Liegt das Tier fest, kann nur noch der Tierarzt mit Infusionen helfen, um das benötigte Mineral direkt ins Blut zuzuführen. Subklinisches Milchfieber – also Kalziummangel im Blut ohne sichtbare klinische Symptome – kommt dreimal häufiger vor (30 % der Kühe sind nach dem Abkalben betroffen) als klinisches Milchfieber. Es erschwert der Kuh den Start in die Laktation, begünstigt Folgeerkrankungen und hat somit deutliche ökonomische Verluste zur Folge. Vorbeugende Maßnahmen gegen Milchfieber sind unerlässlich für einen guten Start in eine erfolgreiche Laktation!

1. Kalziumgehalte unterschiedlicher Verbindungen

Die verschiedenen Kalziumverbindungen enthalten unterschiedliche Mengen an Kalzium. Der Kalziumanteil variiert zwischen 18 % und 40 %. Beim Vergleich verschiedener Produkte zur oralen Kalziumgabe muss deshalb darauf geachtet werden, tatsächlich den Gehalt an Kalzium zu vergleichen und nicht etwa das Gewicht der Kalziumverbindungen.

Für eine effektive Milchfieberprophylaxe bzw. Therapieunterstützung sollten pro Gabe 40 g Kalzium verabreicht werden.

Kalzium
C
hlorid

Kalzium

Propionat

Kalzium

Sulfat

Kalzium

Phosphat

Kalzium

Laktat

Kalzium

Formiat

Kalzium

Acetat

Kalzium

Carbonat

36%

21%

29%

39%

18%

31%

25%

40%

  Kalziumgehalt verschiedener Kalziumverbindungen

2. Welche Kalziumverbindungen sind besonders geeignet und was unterscheidet sie

Generell gilt: Anorganische Kalziumverbindungen sind effektvoller als organische!

Anorganische Kalziumverbindungen sind Ca-Chlorid, Ca-Sulfat, Ca-Phosphat und Ca-Carbonat. Die drei zuerst genannten Kalziumverbindugen haben einen anionischen Effekt (saure Salze): Die starken Anionen, die mit dem Kalzium verbunden sind, führen zu einer leichten Ansäuerung des Blutes (metabolische Azidose), wodurch die Aufnahme des Kalziums aus dem Darm ins Blut gefördert wird. Das verbessert nicht nur die Nutzung des eingegebenen Kalziums, sondern hilft der Kuh zusätzlich bei der Umstellung ihres Stoffwechsels auf „Kalziumnutzung“.

Quelle: Folder 4-532-12 von Boehringer Ingelheim Tiergesundheit

3. Boluseingabe: Was es zu beachten gilt!

Die Eingabe eines Bolus stellt eine einfache, sichere und effektive Form der Verabreichung dar. Die gesamte Menge an Inhaltsstoffen wird dem Tier ohne Verluste zur Verfügung gestellt: Es wird nichts verschüttet, Hände und Kleidung bleiben sauber und die Eingabe erfolgt einfach und schnell. Das kommt sowohl Ihnen als auch dem Tier zugute.

Grundregeln für eine sichere Eingabe:

  • Boli dürfen nur stehenden Kühen mit ungestörtem Schluckreflex eingegeben werden.
  • Ruhiger Umgang mit der Kuh.
  • Den Bolus aus der Plastikhülse stülpen und bis zum Anschlag in den Eingeber drücken.
  • Den Kopf der Kuh fixieren und das Maul mit einer Hand öffnen. Mit der anderen Hand den Eingeber vorsichtig in Richtung Schlund führen.
  • Den Widerstand der Zunge vorsichtig überwinden. Wenn der Eingeber soweit wie möglich vorgeschoben ist, den Bolus durch Druck auf den Griff freigeben.
  • Warten Sie einen Moment (2 bis 3 Sekunden). Das Tier schluckt den Bolus freiwillig ab. Anschließend den Eingeber vorsichtig zurückziehen.

4. Bolusgabe: Sinnvolle Unterstützung einer Infusion

Eine Kalziuminfusion – ob prophylaktisch oder therapeutisch eingesetzt – führt zu einem schlagartigen Anstieg des Blut Kalziumspiegels, der jedoch nur wenige Stunden anhält. Die hohen Blut Kalziumwerte, die dabei erreicht werden, halten die Kuh zunächst davon ab, ihre eigenen Reserven anzugehen und den Stoffwechsel auf Kalziumnutzung umzustellen. In der Folge kann es nochmals zu einem Absinken des Blutkalziumspiegels auf subnormale oder hypocalcämische Werte kommen. Um das zu verhindern, sollte die Therapie einer Milchfieberkuh mittels Infusionen mit der oralen Eingabe von Kalziumverbindungen mit ansäuerndem Effekt ergänzt werden, sobald die Kuh wieder steht.

Die prophylaktische Gabe von Kalzium per Infusion sollte kritisch hinterfragt werden.

Auswirkungen einer Kalziuminfusion auf die Kalziumkonzentration im Blut:

Quelle: Folder 4-532-12 von Boehringer Ingelheim Tiergesundheit

5. Mit Prophylaxemassnahmen schon vor der Geburt beginnen!

Kalzium spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelkontraktion. In den letzten Jahren wurde immer häufiger beobachtet, dass der Kalziumspiegel schon vor der Geburt deutlich absinkt. Das kann den Ablauf der Geburt beeinflussen und behindern. Daher sollten prophylaktische Ca-Gaben bereits bei den ersten Geburtsanzeichen verabreicht werden. Gut zu wissen! Eng verbunden mit dem Kalziumhaushalt muss auch der Phosphorstoffwechsel rund um die Geburt abrupt umgestellt werden. Phosphor ist der Mineralstoff, der die meisten biologischen Funktionen der Kuh beeinflusst1. Vor allem bei älteren Tieren und Milchkühen mit hohen Milchleistungen ist häufig ein deutlicher Phosphormangel im Blut nach Einsetzen der Laktation festzustellen, bedingt durch den massiven Phosphatabstrom ins Euter – sowohl bei gesunden, als auch bei festliegenden Kühen. Aus diesem Grunde ist in immer mehr Herden eine kombinierte Maßnahme zur Kalzium- und Phosphorprophylaxe um die Geburt empfehlenswert.

Fütterungsempfehlungen mit 4 Boli pro Kuh

  • Der 1. Bolus bei den ersten Anzeichen der Kalbung
  • Der 2. Bolus direkt nach der Kalbung
  • Der 3. Bolus 12 bis 15 Stunden nach der Kalbung
  • Der 4. Bolus 24 bis 30 Stunden nach der Kalbung

Zur Unterstützung nach der Milchfiebertherapie mit 2 Boli pro Kuh

  • Der 1. Bolus 2 bis 3 Stunden nach der Infusion
  • Der 2. Bolus 12 bis 15 Stunden nach der Infusion

1) Durst, L.: Die Mineralstoffversorgung der Milchkuh. Nutztierpraxis aktuell (2007), 22 – 26

Bovikalc® ist ein Futtermittel – zur Verringerung der Gefahr von Milchfieber gemäß Richtlinie 2008/4/EG.

Kundenkonto Login

Haben Sie noch kein Konto? Jetzt registrieren